Die Insel Portsea und der Hafen von Portsmouth von J.N.Bellin.

Dies ist eine französische Karte von Portsmouth, aus dem „Petit Atlas Maritime“ von 1764. Sie wurde von Jaques Nicolas Bellin angefertigt, dem Leiter der Kartenabteilung des französischen Marineministeriums. Freunde waren Frankreich und England damals eher nicht.

Die Karte wurde während oder kurz nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) erstellt, als Frankreich (verbündet u.a. mit Österreich) und Großbritannien (verbündet u.a. mit Preußen) gegeneinander Krieg führten. Zwar hauptsächlich am Kontinent und in den Kolonien, teilweise aber auch im Kanal: die Briten blockierten französische Häfen, und 1758 hatten britische Truppen Cherbourg in der Normandie erobert.

Atlas Général, Perthes 1899.

Die Karte von Portsmouth zeigt Fahrrinnen samt Tiefenangaben zwischen den Sandbänken sowie die Verteidigungsanlagen und Marine-Einrichtungen um Portsmouth. Kleine Bastionen sind ebenso eingezeichnet wie die seeseitigen Befestigungsmauern und landseitigen, polygonalen Wallanlagen. Sonstige Siedlungen auf Portsea sind nur als einfache Rechtecke dargestellt.

Portsea Island and Portsmouth Harbour - Kopie

Portsea und der Hafen von Portsmouth von J.N.Bellin, 1764. Detail.

Heinrich VII. ließ Ende des 15. Jahrhunderts Portsmouth zum „Royal Dockyard“ ausbauen und ein Trockendock anlegen, eine damals hochmoderne Einrichtung für die Marine. Der Hafen entwickelte sich zum wichtigsten Stützpunkt der Royal Navy.

Portsea Island and Portsmouth Harbour

King’s Dock, Portsmouth. Bellin, 1764.

Die genauen Angaben auf der Karte wären den Franzosen beinahe sehr nützlich geworden.

Der französische Außenminister Étienne-François de Choiseul hatte im Siebenjährigen Krieg den Plan einer Invasion Großbritanniens, mit Landungen in Portsmouth, Essex und Schottland. Mit der vorliegenden Karte hatte Frankreich also genaue Angaben über die Befestigungen dieses wichtigen Kriegshafens seines Gegners.  1759 wurde mit dem Bau von Transportschiffen begonnen, um eine größere Zahl von Truppen überzusetzen. Über 300 dieser Transporter wurden fertiggebaut, 50.000 Soldaten standen an der französischen Kanalküste bereit zur Einschiffung. Allerdings kamen sie nicht zum Einsatz, weil der Invasions-Plan nach der  Niederlage der französischen Flotte in der Seeschlacht bei Quiberon im November 1759 abgesagt wurde.

 

Advertisements